Schwarzer Holunder "Ernte in Weiß oder Schwarz möglich"
„Vor dem Holunder zieh den Hut herunter “- lautet eine alte Volksweisheit die von der Hochachtung für den Hollerbusch zeugt. Sie hält bis heute an. Doch der Hollerbusch mit seinen duftenden Blüten und seinen schmackhaften Wildfrüchten stellt uns mit seinem Angebot zunächst vor die Qual der Wahl.
Liebäugeln wir mit den Blüten, um diese für den Winter zu trocknen, einen leckeren Sirup zuzubereiten, duftenden Gelee zu kochen, eine Hollersprudel anzusetzen oder Hollerküchle zu backen. Oder warten wir darauf seine Früchte einzubringen, denn ....
dazu ist jetzt im Spätsommer die höchste Zeit. Die Blüten am Strauch gelassen wächst nämlich über den Sommer ein wunderbarer Schatz für Küche, Vorratskeller und Gesundheit heran. Er bietet vom Holunderbeersaft bis zur Fruchtmarmelade, vom Trockenobst bis zum leckeren Mus feinste Delikatessen.
Eine schwere Wahl ist das jedoch nicht, denn der Schwarze Holunder, auch als Deutscher Flieder, Elderbaum oder Husholder, bezeichnet, sucht die Nähe menschlicher Behausungen. Der bis zu 8 m Strauch oder kleine Baum, botanisch Sambucus Nigra, zur Familie der Geißblattgewächse gehörend, wächst vorzugsweise in Gärten, Hecken und Gebüschen, an Böschungen und Waldrändern. Er kommt somit recht häufig vor. Erkennungsmerkmale sind seine sparrig verzweigten Äste, seine warzige Rinde und sein gefiederten, streng riechenden Blätter. Aus seinem Holz lässt sich das weiche Mark leicht herauskratzen. Daher auch der Name Holunder der wohl von dem althochdeutschen Wort für „hohler Baum = holatar“ oder von „Holder = Bruchholz“ stammt. Sein Holz ist übrigens ein willkommenes Naturspielzeug um Boote oder kleine Vasen zu basteln, oder eine Panflöte zu bauen.
In der Zeit von Mai bis Juni stehen uns die cremeweißen tellerförmigen Blütendolden zur Verfügung. Von August bis in den September reifen die schwarzen Früchte heran.
Mit seinen ätherischen Ölen, Flavonoiden, Schleim- und Gerbstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen ein willkommenes Hausmittel. Nicht von ungefähr steht an beinahe jedem Bauernhaus auch heute noch ein Hollerbusch, wurde er doch als „Apotheke des armen Mannes“ bezeichnet.
Geschätzt wird die heilende Wirkung der Blüten und vollreife Früchte als Universalmedizin fürs Immunsystem. Sie steigern die Abwehrkräfte und die schweißtreibende und fiebersenkende Wirkung wird bei Erkältungskrankheiten und ihren Folgeerscheinungen wie Husten, Nebenhöhlenentzündungen, aber auch bei allergischem Heuschnupfen genutzt.
Einen besonders wärmenden Effekt hat ein heißer Holunder-Punsch.
Dazu wird Holunderbeersaft mit Wasser, Apfelsaft oder einem abgesiebten Kräutertee1: 1 gemischt und erhitzt. Gewürzt wird das Ganze mit Nelken, etwas Ingwer und Zimt. Das Getränk 5 Minuten ziehen lassen, nicht kochen und nach dem Abgießen möglichst heiß trinken. Wer will kann mit etwas Honig süßen.
Platz für einen Holler in einer Naturhecke bietet selbst der kleinste Garten. Wo viel Platz ist eignet er sich mit seinen duftenden Blüten auch sehr gut als Solitärstrauch. Auf den Blüten tummeln sich vorwiegend Käfer und Fliegen, eine Bienenweide ist der Holunder nicht. Doch seine reifen Beeren bieten Nahrung für viele Singvögel, die somit auch für die Verbreitung der Samen sorgen.
Im Volksglauben wurde der Holunder als Wohnsitz für die guten Hausgötter hoch verehrt. Daher durfte nicht Hand an ihn gelegt werden. Im Gegenteil sein Fällen wurde als Unheil bringend betrachtet. Außerdem stand er in dem Ruf die Krankheiten der Menschen auf sich zu nehmen. Deshalb wurde bei Zahnschmerzen in die Rind gebissen oder aber ein Faden mit einem Reim an einen Ast gebunden. Dieser übertrug das Fieber des Kranken auf den Hollerbusch.
Vorsicht ist allerdings bei den Früchten geboten. Sie sind für den Rohverzehr nicht geeignet, da sie ein Blausäure abspaltendes Glykosid enthalten, welches roh genossen zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen kann. Ein Kochen der Beeren ist deshalb Vorraussetzung für den Genuss der leckeren Früchtchen.
Holunderbeer- Gelee:
Die Holunderbeeren mit einem Dampfentsafter entsaften, oder in einem Kochtopf mit etwas Wasser aufkochen. Den Fruchtbrei durch ein Tuch gießen, um den Saft ablaufen zu lassen.
Zubereitung des Gelees: Einen Liter Holundersaft mit dem Saft von ein bis zwei Zitronen und 1 kg Gelierzucker 1:1 zum Kochen bringen. Vier Minuten sprudelnd kochen lassen, Gelierprobe machen, heiß in Schraubdeckelgläser füllen und dies sofort verschließen.
Tipp: Ersetzen kann man Drittel des Saftes mit Apfelsaft, das geliert leichter und ergibt einen säuerlichen Geschmack. 1 Zitrone reicht dann aus.
Das nächste Frühjahr kommt bestimmt
Holunderblüten- Gelee:
Ein Liter Wasser oder Apfelsaft in einem Topf mit ca. zwanzig frischen Holunderblütendolden zum Kochen bringen. Über Nacht stehen lassen und dann die Blüten abseihen. Die Flüssigkeit mit 1 kg Gelierzucker 1:1 zum Kochen bringen. Vier Minuten sprudelnd kochen lassen, Gelierprobe machen, heiß in Schraubdeckelgläser füllen und diese sofort verschließen.
Tipp: Zum Dekorieren einige Blütchen ins Glas legen.
Monika Wurft, Schiltach
