Pflanzenbeschreibung: Hopfen

Hopfen, viel mehr als nur Bierwürze

„Hopfen und Malz, Gott erhalt`s“ Ein Spruch den wohl jeder kennt, und den man auch gut nachvollziehen kann, denn wer möchte schon auf Hopfen und Malz verzichten? Doch warum „Hopfen und Malz verloren“ sein soll, wenn doch gerade jetzt im Herbst dieser Hopfen mit seinen bittersüß- duftenden, lichtgrünen Hopfenzäpfchen und seinem kräftig, würzigen Geschmack all unsere Sinne anspricht, dieser Frage gilt es auf den Grund zu gehen.

Abgesehen von seiner Bedeutung für das Brauwesen, wo der Hopfen in den Gerüstanlagen so genannter Hopfengärten angebaut wird, findet man ihn auch wild, häufig in feuchten Gebüschen, Auwäldern, Waldrändern und in Hecken.

Hopfen bevorzugt die wärmeren Gebiete, hat eine Vorliebe für Gegenden in denen Wein angebaut wird, sucht die Nähe von Bächen und Flüssen, liebt tiefgründigen, nährstoffreichen Boden und durchwebt dann ganze Gebüschsäume mit seinen rauen, rechtswindenden Stängeln und seinen tief eingebuchteten, ebenfalls sehr rauen Blättern.

 

Trotz dieser rauen Seite kommt der Hopfen, Hoppen, oder Hupfen wie er auch genannt wird, eher leichtfüßig daher, vermittelt mit seiner Art gen Himmel zu wachsen eine Fröhlichkeit die ansteckend wirkt, was ihn als attraktive Schlingpflanze interessant macht.

Findet man ihn doch inzwischen in vielen Gärten und an Häusern, wo er seinen Weg in eben diese luftigen Höhen sucht und so Balkone, Geländer und Schuppen begrünt.

Humulus Lupulus, so sein botanischer Name, wächst jedes Jahr neu aus einem immer größer werdenden Wurzelstock. „Lupulus“ weist auf die Verkleinerungsform von Lupus= Wolf hin, was sich auf die Eigenschaft der Pflanze bezieht, sich an anderen Pflanzen festzuhalten und an ihnen hoch zu wachsen, ähnlich einem Wolf der mit seinen Zähnen ein Schaf packt.

Auf alle Fälle braucht die agile Liane am Haus ein Gerüst, Stangen oder Drähte an denen sie sich festhalten kann, denn ein Selbstklimmer wie Efeu, ist sie nicht.

Doch Hopfen hat viel mehr zu bieten. Er ist zweihäusig, das bedeutet, dass nur die weibliche Pflanze die zapfenförmigen Fruchtstände bildet, die auch als Hopfendolde bezeichnet werden. Die männliche Pflanze zeichnet sich durch unscheinbare, grünliche kleine Blüten aus. Sowohl für das Brauwesen, wie auch für die arzneiliche Nutzung des Hopfens sind nur die Hopfenzapfen der weiblichen Pflanze mit ihren Bitterstoffen, den Harzsubstanzen Humulon und Lupulon, den Gerbstoffen, sowie den Ätherischen Ölen von Bedeutung.

An männlichen Pflanzen ist man hier nicht interessiert, denn eine Befruchtung durch den Pollen männlicher Pflanzen verringert den Ertrag an Bierwürze und verkürzt die Dauer der Erntezeit.

Seit dem Mittelalter, bis in die heutige Zeit besitzen die weiblichen Hopfenzapfen auch in der Volksheilkunde einen hohen Stellenwert.

Geerntet und danach getrocknet werden sie im September, kurz bevor sie völlig ausgereift sind. Die einzelnen Schuppen sind mit den Harzdrüsen besetzt, durch Absieben der getrockneten Hopfenzapfen fallen diese ab und können als grüngelbes, klebriges Pulver gewonnen werden.

 

Die Volksheilkunde empfiehlt die ganzen Hopfenzapfen, sowie die Hopfenblüten als mildes Beruhigungsmittel z.B. bei Einschlafproblemen, sowie zur Anregung der Magensaftsekretion bei Verdauungsstörungen. Durch die antibakterielle Eigenschaft der Inhaltsstoffe kommen sie auch bei Blasenkatarrhen und äußerlich bei Hautverletzungen zum Einsatz.

 

Zur Bierherstellung wird die Pflanze vermutlich seit dem 9. Jahrhundert herangezogen. Dabei spielte die beruhigende Wirkung eine wichtige Rolle, wurde doch der Hopfen, wie auch das Bier in den Klöstern als Anaphrodisiaka bewusst eingesetzt, nach dem Motto „Wild durch Mild gezähmt“.

Dass ein Glas Bier beruhigend wirkt, hat jeder schon am eigenen Leib erfahren, doch gibt es durchaus auch die Möglichkeit die beruhigende Wirkung von Hopfen in Form eines Tees zu erfahren.

Dabei empfiehlt die Volksheilkunde folgendes Rezept: 2 gehäufte Teelöffel Hopfenzapfen mit ¼ l kochendem Wasser übergießen, etwa 15 Minuten ziehen lassen, dann abgießen und ½ Stunde vor dem Zubettgehen als Schlaftrunk genießen.

Als besondere Gaumenfreude kommt der Hopfen von April bis in den Spätsommer zum Einsatz, die jungen Hopfensprossen lassen sich im zeitigen Frühjahr wie Spargel verwenden, die noch zarten Blätter finden von April bis Juli ihre Verwendung in Rühreiern, Gemüsegerichten, Salaten, oder im Ausbackteig.

Der Höhepunkt der Ernte ist mit Sicherheit im Spätsommer gekommen, wenn die weiblichen Zapfen außer zu Teegetränken auch in Würzmischungen, in Kräuterlikör, in Schnaps oder zu Kräuterwein verarbeitet werden können.

Abgesehen von einer oben beschriebenen Nutzung, der zur illustren Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) gehörenden Schlingpflanze, lassen sich die langen Hopfenranken im Herbst abschneiden und zu wunderbar, dekorativen Kränzen winden. Dazu legt man die Zweige zu einem Kranz der gewünschten Stärke umeinander und umwickelt sie mit sich selbst oder einer anderen Ranke.

An der Pflanze belassen sind die Ranken mit den Hopfendolden bis in den Winter eine Zierde, wenn das Laub schon vertrocknet ist. Übrigens, es stimmt wirklich, einen Ansturm von seitens der Vögel auf die Zapfen braucht man nicht zu befürchten, die Inhaltstoffe der Zapfendrüsen sind ihnen wohl einfach zu bitter.

Doch zurück zu Anfangsfrage, wo wohl der Ursprung des Sprichwortes „Hopfen und Malz verloren“ her rührt?

Beim Brauen ist der Hopfen für den leicht bitteren Geschmack der Biere verantwortlich, wobei seine ursprüngliche Verwendung der Haltbarmachung diente.

War es früher noch üblich, dass sich jeder sein eigenes Bier braute und wurden dann die Zutaten aus Unwissenheit nicht im richtigen Mengenverhältnis zueinander verwendet, oder sind diese nicht sauber miteinander vermischt worden, so ist ein saures Bier entstanden.

„Hopfen und Malz- war dann im wahrsten Sinne des Wortes verloren“.

Im übertragenden Sinne muss diese Spruch heutzutage für Unternehmungen die zum Scheitern verurteilt sind herhalten.

Na, dann doch besser ganz zurück zum Start und mit dem gleichen Satz enden: „Hopfen und Malz, Gott erhalt`s“ !

Tipp: Ein Kräuterkissen für einen ruhigen Schlaf

Um in den Genuss der beruhigende Wirkung des Hopfen zum kommen empfiehlt es sich auch, ein Kräuterkissen herzustellen. Dazu werden verschiedene, getrocknete Kräuter von Hopfenzapfen, über Lavendel, Minze oder Melisse in ein dekoratives Kissen gefüllt, das man dann neben das Kopfkissen legen kann.

So ein Schlafkissen eignet sich auch als besonderes Mitbringsel.

© Text und Bilder Monika Wurft Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

 

 

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