Pflanzen im Gegenlicht
Die Bauerngärtnerin Gisela Huber berichtet über ihren Garten, ein Großteil liegt in Richtung Abendsonne:
Wer sich mit Fotographie beschäftigt, ist sich sicher bewusst, dass man die besten Aufnahmen in den Morgen- und Abendstunden machen kann, da die Mittagssonne oft zu grell ist.
Deshalb zeigt sich die wahre Schönheit von Gärten oft am frühen Vormittag oder späten Nachmittag. Am schönsten ist aber....
die Zeit kurz bevor die Sonne untergeht, da die Abendsonne alles in ein warmes, sanftes Licht taucht.
Auf dem ersten Foto sehen Sie ein Beet kurz vor Sonnenuntergang.(Pflanzen: im Vordergrund die Blattrosetten der Seidenhaarkönigskerze (Verbascum bombyciferum), ganz rechts unten ein feines Lampenputzergras (Pennisetum orientale) links hinten ein Diamantgras (Achnatherum brachytrichum = Calamogrostis arundinacea var. brachytricha) oben drüber schwebt das argentinische Eisenkaut (Verbena bonariensis))
Kann man dieses Beet in der Abendsonne betrachten und genießen hat man ein Stück Paradies mehr im Garten. Gerade weil solche Momente bei regnerischen Sommern oder Herbsten sehr selten sind, ist die Freude umso größer.

Wer in seinem Garten Stellen hat, von denen man blinzelnd in die Abendsonne schauen kann und sich zwischen dem Betrachter und der Sonne Beete befinden, der sollte sich auch einmal mit geeigneten Pflanzen im Gegenlicht versuchen.
Auch eine Neuanlage eines Beets an einer geeigneten Stelle lohnt sich. Dafür sollte man aber schon einmal vorab beobachten wie sich die Abendsonne im Jahresverlauf bewegt.
Hohe Hecken und Zäune sind hier eher negativ, da die tiefstehende Sonne ja direkt durch die Pflanzen scheinen soll.

Von Vorteil ist auch eine gewisse Höhe der Pflanzen im Gegenlicht, da ganz niedrige Pflanzen oft keine Abendsonne abbekommen.
Alle Pflanzen sind im Gegenlicht schöner anzusehen und zu fotografieren, da die Sonne auch bei manchen großen Blättern leicht durchscheint und Blattadern schön hervortreten lässt.
Um die Abendsonne mit Pflanzen einzufangen und diese zum Leuchten zu bringen eignen sich aber besonders Pflanzen mit behaarten Stielen, Blättern oder Blütenständen, allen voran einige Ziergräser. Helle Haare und Grannen bringen Pflanzenkonturen und Blütenstände zum Leuchten.
Bei den Gemüsepflanzen können am ehesten Tomaten und aufgebundene Verwandte des Kürbis diesen Effekt erzeugen.
Foto: hochgebundene Keulenzucchini

(erstes Foto: Portrait Verbena bonariensis)
zweites Foto: Auf diesem Foto sehen Sie mein geliebtes Eisenkraut (Verbena
bonariensis), das sich im ganzen Garten versamt hat und Ähren der Mähnengerste (Hordeum jubatum).
Beides sind einjährige Pflanzen, wobei das Eisenkraut in der Rheinebene und
Vorbergzone in milden Wintern auch im Beet überwintern kann (staudig ist) und dann recht früh blüht.
Die argentinische Verbena bonariensis leuchtet deshalb so schön im Gegenlicht, da auch die kleinen Blütenröhren wie die Stiele und Blätter behaart sind. Sie ist eine sehr gute Nahrungspflanze für Schmetterlinge, da sie röhrenförmige Blüten und einen ebenen Landeplatz bietet.

Aber nicht alle Ziergräser sehen im Gegenlicht gut aus und auch nicht alle davon passen zu ländlichen Gärten und Bauerngärten.
Besonders schön sind einjährige Ziergräser (Mähnengerste, Hasenschwanzgras) die aber beim Jäten oft der Ordnungswut zum Opfer fallen, da sie bei Direktsaat schwierig von den unerwünschten einkeimblättrigen Beikräutern zu unterscheiden ist.
Für Staudenbeete sind natürlich die mehrjährigen Ziergräser erste Wahl. Wer sich die Pflanzenauswahl leichter machen möchte, sich nicht mit botanischen Namen beschäftigen möchte und eineBaumschule in der Nähe hat sollte sich zu jeder Jahreszeit dort hinbegeben um die Pflanzen in Blüte zu sehen und auch in Blüte zu kaufen.
Ab August zeigt sich noch eine weitere Qualität von Ziergräsern, speziell das später blühende Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) und das Diamantgras, bei dem der Name Programm ist, sind auch in der Lage anstatt Sonnenstrahlen die Tautropfen zu fangen, was am frühen Morgen ein spektakulärer Anblick ist.
Foto: mit Tau benetztes Diamantgras vor Staudenbeet


Bei den Sträuchern ist der Perückenstrauch der Stauch, der die Abendsonne am schönsten einfängt.
(erstes Foto: eine Blüte des grünblättrigen Perückenstrauchs Cotinus coggygria“ Young Lady“, der als Jungpflanze in der Baumschule schon blüht, was ich als Besitzer eines dunkellaubigen Perückenstrauchs, der mich mit einer schlecht ausgebildeten Blüte sehr enttäuscht hat, besonders toll fand.
Ein weiterer Vorteil dieser Sorte ist die lange Blütezeit, er blüht mehrmals.
zweites Foto Detailaufnahme mit Tau)

Mein Favorit für dieses Beet wird aber man glaubt es kaum, der Borretsch, siehe Foto rechts.
Er entfaltet wegen seinen vielen Haaren an Stiel und Blüte eine solche Leuchtkraft, dass man meint, da stehe eine weiße Pflanze.
Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und beim Verschönern des eigenen Gartens und beim Entdecken von Pflanzenschönheiten, die bei Vermehrung über Samen (z.Bsp: Borretsch, Königskerzen) ja auch nicht allzuviel kosten.
Text und Bilder : Gisela Huber

