Spitzwegerich

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"Könige des Weges"

Die Schönheit von Wildpflanzen ist unumstritten. Doch gibt es Vertreter unter ihnen, die ständig mit Füßen getreten werden.

Dazu gehören die Wegerichgewächse, allen voran der Breitwegerich, gefolgt vom Mittleren Wegerich und dem Spitzwegerich.


KraeuterwanderungAls Trittpflanze gilt vor allem der Breitwegerich, weil er auf verdichteten Böden besonders gut gedeiht. Finden kann man die Wegeriche nahezu weltweit. In Nordamerika hat sich der Breitwegerich erst mit den europäischen Einwanderern niedergelassen und gilt als Neubürger (Neophyt). Die in feuchtem Zustand klebrigen Samen hafteten an Schuhsohlen und Wagenrädern und wurden so als blinde Passagiere verschleppt. Davor war in Nordamerika nur der Mittlere Wegerich heimisch, was dem Breitwegerich den Namen „Fußstapfen der weißen Mannes“ einbrachte.

Wegerichs botanischer Name „Plantago“ setzte sich aus „Planta“ für Fußsohle und Pflanze und „agere“ für gehen zusammen. Ein Pflanze also, die ständig auf dem Weg ist. Die altgermanische Bezeichnung Wegerich weist ebenfalls auf die Vormachtstellung an Wegen hin, und meint nicht weniger als der „König des Weges“.Spitzwegerich

Der Spitzwegerich, botanisch Plantago lanceolata wächst vorwiegend an Wegrändern oder direkt auf der Wiese und ist auch als Wegeblatt, Wundwegerich, Schafzunge oder Rossrippe bekannt. Typisch für ihn sind seine lanzettlichen Blätter mit den parallel verlaufenden Blattnerven, die aus einer Rosette entspringen. Er hat einen blattlosen Stängel an dessen Ende eine kleine Blütenähre sitzt.
Dem eher unscheinbar daherkommenden Spitzwegerich sieht man sein hohes Ansehen als alteingesessene Heilpflanze und Küchenkraut nicht an.
Eine gelungene Kombination von Inhaltstoffen wie Schleimstoffe, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Kieselsäure und das Glykosid Aucubin und machen ihn zu einer der wirksamsten Heilkräuter bei Atemwegserkrankungen wie Reizhusten, Bronchitis und Entzündungen im Mund- und Rachenraum.

In der Volksheilkunde wird Spitzwegerich als Tee, Tinktur, Saft, Sirup und Umschlag angewendet.
Für eine Teezubereitung bei Atemwegserkrankungen werden zwei Teelöffel Spitzwegerichblätter mit ¼ l heißem Wasser übergossen und nach 15 Minuten abgegossen. Mit Honig gesüßt wird empfohlen täglich 2-3 Tassen zu trinken.
Ein Mittel bei Husten und Fieber ist auch der frische Spitzwegerich- Saft. Dazu werden Spitzwegerichblätter in einem Mörser, mit etwas Wasser zerrieben. Diesen Ansatz tropft man durch ein Sieb ab und kann ihn mit Honig oder Saft vermischt einnehmen.

Äußerlich kommt Spitzwegerich bei schlecht heilenden Wunden, Insektenstichen, Juckreiz und Schwellungen, auch bei Brennnesselquaddeln zum Einsatz.
Dazu wird einfach ein Blatt zwischen den Fingern zerrieben und den austretenden Saft tupft man vorsichtig auf die betroffene Stelle. Ein „Wiesenpflaster“ sozusagen für unterwegs, das sich gerade auch bei Kindern vielfach bewährt hat.

Kulinarisch hat der Spitzwegerich ebenfalls einiges zu bieten und ist vom grünen Süppchen, der Beigabe zum Kräuterquark, dem Frühlingssalat bis zum Wildgemüse durch und durch eine Delikatesse. Im Folgenden eine kleine Auswahl

„Salat aus Wildkräutern“kleine-auswahl-wildkraeuter

Verschiedene Frühlingskräuter wie Spitzwegerich, Brunnenkresse, Scharbockskraut, Schafgarbe, Löwenzahn, Vogelmiere, Gänseblümchen, Knoblauchsrauke waschen. Kräuter je nach Geschmack klein schneiden oder ganz lassen. Einen Salat ebenfalls waschen und klein pflücken.
Salat und Kräuter mischen und mit einer Vinaigrette aus gutem Öl, Zitronensaft, Salz, etwas Pfeffer und Zwiebeln abschmecken
Variante: Einige Würfel aus Schaf- oder Ziegenkäse drüberstreuen.

Wilde Blätter aus einer Pfanne
Blätter von Spitzwegerich, Labkraut, Löwenzahn, Knoblauchsrauke, Brennnessel, Vogelmiere etc. sammeln, waschen und trocken tupfen. In einer Pfanne mit einem guten Öl kurz kross anbraten. Mit etwas Kräutersalz nach Geschmack abschmecken.
Passt gut zu Kartoffel und Nudelgerichten als grüner Farbtupfer.
Auch einfach aufs Brot schmeckt die Wiesenmischung lecker.

Monika Wurft, Schiltach

© Bauerngarten- und Wildkräuterland Baden e.V.